Die Kanaren bieten Wellen für fast jedes Niveau
- Beste Gesamtzeit: Herbst und Winter liefern meist die zuverlässigsten Swells; im Sommer ist es ruhiger und oft besser für Einsteiger.
- Wasser: Das Meer bleibt im Schnitt mild, grob um 20 °C, trotzdem lohnt sich im Winter meist ein Neoprenanzug.
- Einsteigerfreundlich: Gran Canaria mit La Cícer, Lanzarote mit Famara und Teneriffa mit El Porís sind gute Startpunkte.
- Für Fortgeschrittene: El Confital, La Santa und andere Reefbreaks sind deutlich anspruchsvoller und nichts für den ersten Surftag.
- Praktisch: Vor Ort gibt es viele Schulen, Verleiher und Camps, aber die beste Welle hängt immer von Wind, Swell und Tide ab.
Warum die Kanaren so gut für Surfer funktionieren
Der große Vorteil der Kanaren ist nicht nur das Klima, sondern die Mischung aus konstantem Atlantik-Swell, vielen unterschiedlich ausgerichteten Küsten und einer Infrastruktur, die Surfen leicht macht. Ein Swell ist die heranlaufende Dünung aus dem offenen Meer, also die Energie, aus der überhaupt erst eine surfbare Welle entsteht. Dazu kommen die Passatwinde, also verlässlich wehende Nordostwinde, die je nach Spot helfen oder stören können. Wer das einmal verstanden hat, plant auf den Kanaren deutlich besser als an einem beliebigen Mittelmeerstrand.
Ich mag an der Inselgruppe vor allem, dass sie nicht auf einen einzigen Surfstil festgelegt ist. Es gibt Sandboden für freundliche Beachbreaks, vulkanische Untergründe für saubere, kraftvolle Wellen und Orte, an denen du nach der Session direkt Essen, Leihmaterial oder eine Surfschule findest. Das macht die Kanaren für Anfänger genauso interessant wie für erfahrene Surfer, die einen kurzen, aber produktiven Trip wollen. Wenn die Insel einmal gewählt ist, lohnt sich der Blick auf die konkreten Spots.

Welche Insel zu deinem Level passt
Für die Wahl der Insel würde ich nicht nur auf den berühmtesten Spot schauen, sondern auf deinen Stil, dein Level und die Art von Urlaub, die du willst. Wer möglichst viele Optionen in Reichweite braucht, landet oft auf Gran Canaria. Wer starke Wellen und viel Surf-Atmosphäre sucht, schaut eher nach Lanzarote. Fuerteventura ist für offene Strände und viel Platz spannend, Teneriffa wirkt etwas vielseitiger und ruhiger kombiniert mit Natur und Ausflügen.
| Insel | Stärken | Gut für | Worauf du achten solltest |
|---|---|---|---|
| Gran Canaria | Guter Mix aus Stadt, Schulen, Einstieg und Power | Einsteiger mit späterem Lernfortschritt, kurze Surftrips, urbane Base | Bekannte Spots sind beliebt und können voll werden |
| Lanzarote | Sehr konstante Wellen, ikonische Breaks, klare Surfkultur | Fortgeschrittene und ambitionierte Einsteiger mit Coach | Rauere Küstenabschnitte und anspruchsvollere Einstiege |
| Fuerteventura | Lange Strände, viel Platz, entspannter Einstieg an mehreren Buchten | Einsteiger, Longboarder, Surfer mit Lust auf offene Beachbreaks | Wellenqualität variiert stark je nach Küste und Wind |
| Teneriffa | Vielseitige Insel, gute Schulen, Kombination aus Sport und Natur | Reisende, die Surfen mit Aktivurlaub verbinden wollen | Nicht jeder Küstenabschnitt ist gleichermaßen surfbar |
Wenn ich einen ersten Trip plane, würde ich meist mit Gran Canaria oder Lanzarote anfangen. Gran Canaria ist logistisch angenehm, Lanzarote belohnt dich eher mit echter Wellenqualität und einem etwas härteren Charakter. Genau dort entscheidet sich oft, ob du lieber einen entspannten Einstieg oder eine sportlichere Lernkurve willst.
Die Spots, die ich zuerst prüfen würde
Bei den Kanaren ist die Spotwahl wichtiger als die bloße Inselwahl. Ein Beachbreak bricht über Sandboden und verzeiht Fehler eher, ein Reefbreak bricht über Fels oder vulkanischem Untergrund und ist oft sauberer, aber auch anspruchsvoller. Das klingt technisch, macht in der Praxis aber einen riesigen Unterschied. Für die erste Session würde ich immer den leichteren Zugang bevorzugen, selbst wenn der berühmtere Spot ein paar Kilometer weiter liegt.
Für den Einstieg
- La Cícer, Gran Canaria: Einer der freundlichsten Einstiegspunkte der Insel, weil Schulen, Leihmaterial und Surfer mit sehr unterschiedlichem Niveau zusammenkommen. Für mich ist das ein idealer Ort, um sich ohne Druck an Take-off, Paddeln und Positionierung zu gewöhnen.
- Playa de Famara, Lanzarote: Eine weite Bucht mit Sandboden und viel Platz im Wasser. Genau deshalb ist Famara bei Surfschulen so beliebt. Hier lernst du solide Basics, ohne dass jeder Fehler sofort teuer wird.
- El Porís, Teneriffa: Entspannter Spot mit guter Erreichbarkeit und Wellen, die auch für Kinder und Anfänger funktionieren. Das ist eher der praktische Lernort als die große Prestige-Welle.
Für den nächsten Schritt
- Las Canteras und La Barra, Gran Canaria: Hier wird es technischer. Wer Take-off und Linienwahl schon halbwegs beherrscht, bekommt sauberere, schnellere Wellen und lernt mehr über Timing.
- Lloret, Gran Canaria: Urban, gut erreichbar und sportlich genug, um nicht nach reiner Anfängerbucht zu wirken. Ich würde den Spot wählen, wenn ich nach den ersten Stunden etwas mehr Druck im Gesicht der Welle will.
- Einige Abschnitte auf Fuerteventura: Hier findest du an mehreren Küsten gute Bedingungen für Surfer, die schon sicher stehen, aber nicht gleich in schwere Reefbreaks springen wollen. Die Insel lebt vom Wechsel zwischen offenen Stränden und kräftigeren Küstenabschnitten.
Für erfahrene Surfer
- El Confital, Gran Canaria: Ein kraftvoller Right Break über vulkanischem Fels. Die Welle ist schnell, eng und technisch. Das ist kein Ort für Probierfahrten, sondern für Surfer mit sauberem Timing und Respekt vor dem Spot.
- La Santa, Lanzarote: Kurze, explosive Wellen mit viel Energie. Hier wird schnell sichtbar, ob du Wellen lesen kannst oder nur hinter ihnen her paddelst.
- Derecha de Lobos, Fuerteventura: Eine starke, hohle Welle mit viel Druck. Spannend für sehr erfahrene Surfer, aber nichts, was man ohne Sicherheit und lokale Kenntnis leichtfertig angeht.
Die Spots klingen auf dem Papier ähnlich, fühlen sich aber im Wasser völlig unterschiedlich an. Genau deshalb würde ich nie nur nach Bildern buchen, sondern immer nach Level, Einstieg, Boden und Tagesbedingungen entscheiden. Die eigentliche Feinplanung beginnt dann am Strand, mit Blick auf Wind, Tide und den Rest der Gruppe im Wasser.
Wann die Wellen am zuverlässigsten sind
Die Kanaren sind kein reines Winterziel, aber die zuverlässigsten Surfbedingungen liegen meistens im Herbst und Winter. In dieser Zeit bringen Atlantik-Tiefs häufiger kräftigen Swell, also mehr Energie und bessere Wellenformen. Im Sommer ist es oft kleiner und sauberer, was für Lernfortschritte gar nicht schlecht ist. Wer den Urlaub sportlich, aber nicht zu hart möchte, landet häufig im Spätherbst oder Frühwinter am besten.
| Zeitraum | Typische Bedingungen | Am besten für |
|---|---|---|
| November bis Februar | Kräftigere Dünung, häufig die verlässlichsten Tage, Wasser meist noch angenehm | Fortgeschrittene, sportliche Einsteiger mit Anleitung, kurze Intensivtrips |
| März bis Mai | Oft ein guter Mix aus Wellen und Wetter, aber etwas wechselhafter | Allround-Surfer, die flexibel planen können |
| Juni bis September | Meist kleinere Wellen, ruhigeres Meer, weniger Druck | Einsteiger, Longboarder, Surfkurse, entspanntes Üben |
| Oktober bis November | Für viele der beste Kompromiss aus Swell, Wärme und planbaren Sessions | Reisende, die gute Bedingungen ohne Wintergefühl suchen |
Die Wassertemperatur liegt auf den Inseln im Jahresverlauf meist in einem milden Bereich um 20 °C, je nach Monat und Insel etwas darüber oder darunter. Im Winter reicht vielen ein 3/2-mm-Neoprenanzug, bei windigen Sessions oder kälteempfindlichen Surfern kann auch etwas mehr Sinn ergeben. Im Sommer surfst du oft deutlich leichter bekleidet, aber UV-Schutz bleibt Pflicht. Genauer als der Kalender ist am Ende immer die Kombination aus Swell, Wind und Tide.
Die Tide, also der Wechsel zwischen Ebbe und Flut, ist besonders an Reefbreaks wichtig. Manche Wellen funktionieren bei Hochwasser besser, andere brauchen eher eine bestimmte Niedrigwasserphase, damit sie sauber laufen. Sandstrände sind toleranter, aber auch dort kann ein falsches Zeitfenster den ganzen Tag mittelmäßig machen. Deshalb lohnt es sich, nicht nur den Wetterbericht zu prüfen, sondern die Session zeitlich zu planen.
Kurse, Mietmaterial und Sicherheit richtig einplanen
Für die meisten Reisen würde ich auf den Kanaren nicht alles spontan lösen. Eine gute Surfschule spart Zeit, Nerven und oft auch Geld, weil du schneller die richtige Ausrüstung bekommst und nicht zwei Tage mit zu kleinem Board herumkämpfst. Vor Ort sind die Angebote breit: von Kursen für Kinder und Anfänger bis zu Camps für Surfer, die eine ganze Woche lang täglich ins Wasser wollen.
Mit welchen Kosten ich grob rechne
- Gruppenstunde: oft etwa 35 bis 55 Euro für rund zwei Stunden, je nach Insel und Saison.
- Privatunterricht: häufig etwa 70 bis 120 Euro pro Session, wenn du gezielt an Technik arbeiten willst.
- Boardmiete: meist ungefähr 15 bis 25 Euro pro Tag.
- Neoprenmiete: oft zusätzlich 5 bis 10 Euro pro Tag, falls nicht im Paket enthalten.
- Surfcamp: für eine Woche je nach Unterkunft und Saison oft grob 350 bis 900 Euro und mehr.
Diese Spannen sind keine harten Marktpreise, aber sie helfen bei der Planung. Für einen Kurztrip ist Kurs plus Tagesmiete oft sinnvoller als ein großes Paket. Wenn du länger bleibst oder jeden Tag aufs Brett willst, kann ein Camp die deutlich bequemere Lösung sein, weil Material, Unterkunft und oft auch Spot-Auswahl zusammenlaufen.
Lesen Sie auch: Timanfaya richtig erleben - Dein Guide für den Vulkanpark
Was ich bei Sicherheit nie vernachlässige
- Leash prüfen: Die Sicherungsleine muss passen und darf keine sichtbaren Schäden haben.
- Boardwahl realistisch halten: Zu kleines Board frustriert Anfänger fast immer schneller als schlechte Wellen.
- Ein- und Ausstieg kennen: Bei vulkanischem Untergrund sind Badeschuhe oder Booties oft mehr als eine Komfortfrage.
- Respekt im Line-up: Wer zur Welle paddelt, braucht klare Priorität. Reinpaddeln ohne Rücksicht ist der schnellste Weg zu Stress.
- Windfenster nutzen: Viele Spots sind morgens ruhiger und sauberer als am Nachmittag.
- Sonne ernst nehmen: Auch bei leichtem Wind brennt die Sonne auf dem Wasser stärker, als man an Land denkt.
Gerade an kräftigen Reefbreaks würde ich nie ohne lokale Einschätzung ins Wasser gehen. Ein Spot, der auf Fotos spektakulär aussieht, kann bei falschem Tidefenster oder falscher Strömung unangenehm werden. Mit einem guten Lehrer oder einem erfahrenen Local sparst du dir oft den teuersten Fehler überhaupt: die falsche Session zur falschen Zeit.
Wie ich eine Woche zwischen Wellen und Inseln aufteilen würde
Wenn ich einen Surftrip auf die Kanaren plane, denke ich nicht in starren Tagesplänen, sondern in einem kleinen Fenster aus Möglichkeiten. Ich blocke gern einen Puffertag ein, weil Wind und Swell die besten Sessions oft spontan bestimmen. Das ist auch der Punkt, an dem die Inseln ihren Reiz als Aktivurlaub-Ziel ausspielen: Du kannst surfen, aber genauso gut wandern, an den Dünen entlanglaufen, durch vulkanische Landschaften fahren oder einfach den Küstenwechsel der Inseln auskosten.
- Tag 1: Ankommen, Strand checken, Wind und Tide beobachten, Material organisieren.
- Tag 2 und 3: Kurs oder Techniktraining, danach kurze freie Session mit Fokus auf Wiederholung.
- Tag 4: Bewusst eine Pause oder ein Inselprogramm einbauen, damit die Arme nicht nur vom Paddeln leben.
- Tag 5 und 6: Spotwechsel nach Bedingungen, nicht nach Eitelkeit.
- Tag 7: Eine lockere Session am Morgen, danach Material zurückgeben und entspannt abreisen.
Genau diese Mischung macht Surfen auf den Kanaren für mich so stark: Du bekommst sportliche Tage im Wasser, aber der Urlaub kippt nicht in ein reines Sportlager. Wer die Inseln klug auswählt, die Bedingungen nüchtern liest und nicht jeden berühmten Spot sofort erzwingen will, erlebt hier sehr viel Meer in sehr kurzer Zeit.