MENU

26. Jan 2018 Comments (0) Views: 1231 Regionen, Slider, ZIELE

Wolfsland Zamora

Es wird erzählt, es soll einem monatelang die Sprache verschlagen, wenn man einem Wolf tief in die Augen blickt. Eine der uralten Legenden, die der Mensch erdacht hat. Hier in der nordwestlichen Provinz Zamora, an der Grenze zu Portugal hat er immer gelebt und auch noch heute noch – in freier Natur: der Iberische Wolf. Ob wir auf unserer Reise eines dieser ganz realen Wesen aus den vielen Sagen erblicken werden?

Wir fahren zunächst zum eiszeitlichen Gletschersee dem Lago de Sanabria. Umgeben von einem Nationalpark ist er im Sommer ein beliebtes Badeziel. Von umgebenden Anhöhen bietet sich das Panorama des Sees und der sanften Hügelkonturen, also wandern wir eine kurze Etappe auf einem Rundweg. Wir setzen vorsichtige Schritte auf die vom Gletschereis glatt geschliffenen Felsen, um den Ausblick zu genießen. Doch heute hängen Wolken dicht über der Wasseroberfläche und diese Caspar David Friedrichsche Atmosphäre stimmt uns ein auf unser nächstes Ziel.

Es dämmert bald und irgendwo an einem Waldrand im Gebirgszug der Sierra de la Culebra wartet man schon auf uns. Eine kleine Gruppe in Outdoorkleidung gesteckte Menschen, steht in stiller Spannung an großen Fernrohren, die auf die Linie zwischen Wald und Wiese gerichtet sind. Geduld haben wir. Wir blicken durch die Objektive und warten. AHERCA-Chef Miguel Ángel hat die kleine Gruppe hierhergeführt. Er und seine Frau Pilar organisieren ein- oder mehrtägige Wolfsbeobachtungen in der Wildnis der Sierra. Hier leben etwa 10 Rudel des graubraunen Iberischen Wolfs, der etwas schmaler und kleiner ist als der Eurasische Wolf. Mensch und Vieh und Wolf haben in diesem Landstrich immer gemeinsam gelebt. Es gibt ja auch genug Beute, die die Rudel jagen können: Hasen, Rehe, sogar Wildschweine und Hirsche. Jemand gibt ein Zeichen. Bewegung am Waldrand. Graubraun. Ein, zwei, drei, vier größere und kleinere Tiere sind entdeckt …Wildschweine sind es, die nach Essbarem wühlen.

Wolfsbeobachtungen sind eben Geduldsübung und Naturmeditation. Unsere Sinne sind geschärft für die Geräusche des Abends, doch für heute packen wir die Ausrüstung ein.

Am nächsten Tag geht es zum Centro del Lobo Ibérico in Robledo. Hier ist ein Informationszentrum über den heimischen Wolf eingerichtet worden. Die Wolfspopulation in ganz Spanien schätzt man auf 2800 Tiere. Schwerpunkt ist der Nordwesten und winzige Gebiete in den Bergen Andalusiens. Wir lernen wie stark die soziale und hierarchische Struktur von Wolfsrudeln ausgeprägt ist. Ein notwendiges Überlebenssystem und eine der komplexesten Strukturen der Tierwelt. Carlos Sanz, Biologe und Wolfsbeauftragter, ruft die von ihm aufgezogenen Wölfe und begibt sich zu ihnen in eines der beiden Waldgehege. Prächtige Tiere. Sie folgen ihm als gingen sie gemeinsam spazieren.

Jetzt kommen uns die Gedanken an die Spannung in den Sinn, die wir gestern am Waldrand empfunden haben. Eine Wolfsfamilie in freier Wildbahn zu erspähen, nur die Vorstellung allein verschlägt uns Städtern schon die Sprache. In dieser Gegend Spaniens ist das nichts Außergewöhnliches. Wir hoffen, es wird so bleiben.

 

Fotos: (c) María Fernández Medina

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Der Bilbao-Effekt

Das andere Spanien – Kastilien