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Weintourismus

23. Okt 2017 Comments (0) Views: 1264 BUEN PROVECHO, Kunst, MENSCHEN, Regionen, Slider

Wein, Wasser und Gestein – La Rioja

An Weinlandschaften faszinierte mich immer schon die Geometrie der Linien. Schnurgerade Rebstockreihen auf hügeligem Land. Ich liebe die Ausblicke aus dem Flugzeugfenster auf die wie mit dem Lineal gezogenen Anbauflächen und darin die zufällig hinein geworfenen Gebirgszüge und Flüsse. Meine Freundinnen mögen es weniger abstrakt. Sie haben eine ganz und gar sinnliche Reise für uns geplant. Pferdemist, Schwefelgeruch, heiße Quellen, kalte Winde und natürlich Rotwein ziehen sich durch unsere Tage in diesem sehr stillen Landstrich im Norden Spaniens.

Zwischen der fruchtbaren Ebroebene und dem Iberischen Gebirge liegt die kleine Provinz Rioja. Noch immer ein touristischer Geheimtipp, dabei hat Rioja viel zu bieten für all jene, die sich einlassen auf die vielfältigen Facetten dieser Landschaft. Wir beginnen unsere Reise hoch zu Ross am Centro Hípico Navarrete. Auf Pferderücken in gemächlichem Rhythmus geht es durch die Weinhänge. Hoch über den Rebstöcken blicken wir weit über die Hügel, die sich gen Süden in die bewaldeten Hänge des Iberischen Gebirges ausstrecken. Direkt unter uns färbt sich das Laub bereits. In ein paar Wochen sind die Trauben hier reif und die Weinlese beginnt.

Hochburg der Weinkultur Spaniens

 Weiter aufwärts des Ebro liegt das Museo Vivanco für Weinkultur. Gegründet von einer alten Winzerfamilie, die all ihr Wissen um die Kunst der Weinherstellung in dieses feine, kleine 2004 eröffnete Museum mit eigenem Weinberg gelegt hat. Hier könnten wir während der Erntesaison unter Anleitung selbst Hand anlegen und uns durch den Weingarten und die Ausstellungsräume führen lassen. Wir sind zu früh dran für die Weinlese, aber auch wegen der spektakulären Korkenziehersammlung lohnt sich der Besuch.

Nach so viel Weingeschichte fühlen wir uns gewappnet für den Besuch einer weiteren Weinkellerei. In der traditionsreichen Bodegas Muga in Haro, einem Zentrum der Weinkultur in Rioja, erproben wir unser Wissen. Auch hier streifen wir durch die hohen Gewölbe, in denen sich gewaltige Gärbottiche aneinanderreihen und steigen hinab in die Kellerräume, wo über 14000 Eichenfässer lagern. Bis zu drei Jahre reift etwa ein Gran Reserva in den hier selbst hergestellten Barriquefässern, bevor er weitere Jahre in der Flasche ausreift. Im modernen Turmbau der Bodega mit Ausblick auf die Weinfelder haben wir ein Weinseminar gebucht. Jetzt riechen, schmecken und beschreiben wir, was uns all die Tage lang hier umgibt: der trockene Boden, die vor dem kalten Nordwind schützenden Felsen und der Geruch von sonnenerwärmtem, buntem Laub.

Museo Vivanco

Heiße Quellen im Südosten

Nach so viel Kulturlandschaft suchen wir noch etwas Ursprünglicheres, vielleicht Mystisches – das andere Gesicht von la Rioja. Der gebirgige Südosten der Provinz ist durchzogen von kleineren Flüssen und heißen Quellen. Wir folgen der Thermenroute entlang der Flusstäler des Cidacos und des Alhama bis wir nach Arnedillo gelangen, dessen Thermalwasser man schon zur Römerzeit schätzte. Etwas außerhalb der Ortschaft Arnedillo liegen die Thermalbecken unter freiem Himmel, immer und für jeden zugänglich. In der Dämmerung steigen wir in das etwa 50° heiße Wasser, während vom Boden ringsum als auch von den Quellen der Dampf in den Abend aufsteigt. Wir warten auf die Dunkelheit, lesen Sternbilder und trinken den mitgebrachten Gran Reserva aus Haro.

Obwohl es auch hier in Arnedillo ein Thermenhotel gibt, haben wir das 30 km entfernte Grávalos gewählt. Meine Freundinnen hatten sich vor unserer Reise auf einem neuen Spanien Portal informiert und waren gleich in das neu sanierte, schicke Balneario de Grávalos verliebt.

Jetzt liege ich am Panoramafenster des Hotelspas und schaue auf die jahrhundertealten knorrigen Olivenbäume, auf Weinfelder und dahinter die Berge. Ich erkenne die Linien wieder, die ich aus der Vogelperspektive so bewundere.

Landschaft Weinberge

Bilder v.o.n.u.

                            Bodega Ontañón

                           © La Rioja Turismo/ Museo Vivanco

                           © La Rioja Turismo/Landschaft Weinberge

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